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Von der Mountainbikerin zur Bergsteigerin

Von der Mountainbikerin zur Bergsteigerin
von Regina Marunde

Was tue ich hier? 3.500 Meter über dem Meeresspiegel. Inmitten einer Schnee- und Eiswüste am Mont-Blanc-Massiv. 25 Kilo im Rucksack, die Sonne brennt, die Luft ist viel zu dünn. Jeder Schritt eine Qual. Seit 24 Stunden sind wir nun unterwegs. Haben eine eiskalte Biwaknacht hinter uns. Noch einmal: Was tue ich hier – ich bin Radsportlerin! Oder?

Erst die Zugspitze dann der Mont Blanc
Gerade einmal zwei Tage ist es her, seit ich nach einem achtstündigen Gewaltmarsch auf dem 2.962 Meter hohen Gipfel der Zugspitze stand. Acht Stunden Regen, Nebel, eisiger Wind. Ich war Radsportlerin. Mehrfache Deutsche Meisterin auf dem Mountainbike. Olympia-Teilnehmerin. Seit drei Wochen bin ich Bergsteigerin. Bergsteigerin im Dienste einer guten, einer wichtigen Sache. Seit dem Jahr 2005 begleite ich die “aids awareness expedition” und stehe an der Seite von Joachim Franz, seinen spektakulären Aktionen im Kampf gegen HIV/Aids. Die “cape2cape” ist für mich bereits die vierte Expedition dieser Art: Vom Nordkap in Norwegen zum Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas. In jedem Land besteigen wir den höchsten Berg – unsere Botschaft: Der Gipfel ist erreicht, nun dürfen die Zahlen der Neuinfektionen nicht mehr steigen!

Entrollen des Banners in 3.500 Metern Höhe
Am Mont Blanc fällt diese Aufgabe zwei Frauen zu. Alexa Lorenz und ich sind die beiden Sportlerinnen im 18-köpfigen Expeditionsteam. Dass wir heute hier gemeinsam stehen, hat Symbolkraft: HIV/Aids betrifft eben nicht in erster Linie homosexuelle Männer, Drogenabhängige und andere vermeintliche Randgruppen, sondern vor allen Dingen Frauen und Kinder. Den höchsten Punkt können wir nicht schaffen: Dazu ist derzeit die Lawinengefahr viel zu groß – erst vor wenigen Tagen haben drei Bergsteiger ihr Leben gelassen. Daher stehen wir nun am Aiguille de Toule. Entrollen in 3.500 Meter Höhe an der Grenze zwischen Frankreich und Italien unsere Banner: Die Landesflaggen beider Staaten mit der jeweiligen Dunkelziffer an HIV-infizierten und an Aids erkrankten Menschen: 250.000 Franzosen, 210.000 Italiener.

Von Finnland nach Südafrika
Die “cape2cape” stellt den Auftakt der “world aids awareness expedition” dar: Finnland, Norwegen, Schweden, Dänemark, Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien und Frankreich, der Vatikan, Ägypten, Äthiopien, Kenia, Tansania, Sambia, Malawi, Mosambik, Swasiland, Lesotho, Südafrika – auf 19 Bergen werden wir dieses Mahnmal gegen das Vergessen und für mehr Solidarität setzen. Danach sind Menschen in aller Welt aufgefordert, unserem Beispiel zu folgen, den jeweils höchsten Gipfel ihres Heimat-, Expeditions- oder Urlaubslandes zu erklimmen, dort das Banner zu entfalten und fotografisch zu verewigen. Ein gemeinsamer Beitrag, ein gemeinsames Zeichen für eine intensive Weltkampagne und weniger Ignoranz.

Seit 2001 mit sportlichen Höchstleistungen um Aufmerksamkeit
Joachim Franz und sein Team konfrontieren die Öffentlichkeit bereits seit dem Jahr 2001 über sportliche Höchstleistung mit dem Thema HIV/Aids. Ich gehöre seit 2004 zum Team und bin dennoch nur eine von wenigen Frauen, die sich in dieser Gemeinschaft engagieren. In diesem Jahr hat sich neben den beiden Sportlerinnen nur noch Sandra Wukovich dem Expeditionstross angeschlossen, die Chefin der Öffentlichkeitsarbeit. Die Frage bleibt: Wann werden wir mehr? Weitere Infos unter: www.waae.de

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